Begeistertes Publikum bei Premiere des Kabaretts Mindener Stichlinge

Gottgleiche Grüne, geschrumpfte SPD, Holzhammer-CDU/CSU und Krach machende schleimende FDP: Annika Hus, Martin Janke, Frank Oesterwinter und Mario Hancke. Foto: Pressebüro Amtage

Gottgleiche Grüne, geschrumpfte SPD, Holzhammer-CDU/CSU und Krach machende schleimende FDP: Annika Hus, Martin Janke, Frank Oesterwinter und Mario Hancke. Foto: Pressebüro Amtage

Minden (hjA). In Ostwestfalen schlägt das Herz des Kabaretts. Besser könnte man es nicht formulieren als in dieser Textzeile aus dem Abschlusslied der Mindener Stichlinge. Das älteste Amateurkabarett Deutschlands feierte am Freitagabend eine glänzende Premiere.

„Loch an Loch und hält doch“ lautet das aktuelle Programm, das manche Löcher in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und dem Gehirn in dem gut zweistündigen Programm mit Biss und Witz aufgreift. Der Programmname könnte aber noch für etwas anderes stehen.

Ensemble-Verjüngung hervorragend gelungen

In der vergangenen Spielsaison riss besonders der gesundheitsbedingte Ausfall von Stichlings-Urgestein Frank Oesterwinter ein tiefes Loch in das Ensemble, das kurz davorstand, das Programm 2019 abzusagen. Altbewährte Stichlinge, teils gesundheitlich angeschlagen, füllten dieses und andere Löcher gekonnt auf. Und trotzdem war klar: es muss eine Verjüngung her.

Kirsten Gerlhof, Martin Janke, Frank Oesterwinter und Claudia Brase (v. l.) bei der Premiere der Mindener Stichlinge. Foto: Pressebüro Amtage

Kirsten Gerlhof, Martin Janke, Frank Oesterwinter und Claudia Brase (v. l.) bei der Premiere der Mindener Stichlinge. Foto: Pressebüro Amtage

Das kann völlig schiefgehen, aber auch hervorragend gelingen, wie das neue Programm der Stichlinge zeigt, das am Freitagabend im Vortragssaal der Sparkasse Minden-Lübbecke Premiere feierte. Im 54. Jahr standen die nahezu professionellen Amateurkabarettisten auf der Bühne. Gestärkt durch die Neuzugänge Claudia Brase, Mario Hancke und Martin Janke. Letzterer in einer im positiven Sinne etwas überdrehten Rolle, die beiden Anderen in der klassischen ruhigeren Manier der Stichlinge.

Ergänzt durch die erfahrenen Kabarettisten Kirsten Gerlhof, Annika Hus, den wieder genesenen Frank Oesterwinter und Gründer und Macher Birger Hausmann, der die Truppe seit mehr als fünf Jahrzehnten zusammenhält. In einer kleinen, ausschließlich Mindener Rolle Jürgen Juchtmann, und am Klavier Stephan Winkelhake, der begleitend geradezu selbst ein kabarettistischen Musikprogramm präsentiert. Jeder für sich ein glänzender Künstler, textsicher, schauspielerisch präsent, sodass auch minimale inhaltliche Schwächen in ein, zwei des 24 Stücke umfassenden Programms nicht ins Gewicht fallen.

Auto-Mafia und Klima-Greta
Kirsten Gerlhof und Birger Hausmann als das neue politische Liebespaar Annalena Baerbock und Robert Habeck. Foto: Pressebüro Amtage

Kirsten Gerlhof und Birger Hausmann als das neue politische Liebespaar Annalena Baerbock und Robert Habeck. Foto: Pressebüro Amtage

So widmen sich die Stichlinge den Lobbyisten der Autoindustrie, die sich in Mafiamanier intensiv um die richtigen Worte von Angela Merkel (Kirsten Gerlhof in ihrer Paraderolle) oder den gottgleichen Grünen, die die geschrumpfte und nach Macht lechzende SPD, die mit der Holzhammermethode agierende CDU/CSU und die Schleimspuren hinter sich herziehende FDP blass aussehen lassen. Klima-Greta, der Regenwald, fehlender günstiger Wohnraum, rechtsextreme Hirnlosigkeit, Flüchtlinge, Bildung und das Thema Sport sind weitere der vielen Themen, die die Kabarettisten aufs Korn nehmen und damit Loch an Loch mit vielen tiefgreifenden und pointierten Ideen füllen.  Für diese Inhalte sorgen vor allem Birger Hausmann und Kirsten Gerlhof, im Hintergrund unterstützt von Jürgen Juchtmann und Kabarett-Altmeister Volker Aschenbruck als Texter.

Wen wundert es, dass am Ende eines solch gelungenen Abends das Publikum jubelt und minutenlangen Applaus spendet, der bereits auch immer schon zwischendurch aufbrauste. Besonders als sich ein neues politisches Liebespaar den Zuschauern präsentierte: die Grünen Annalena Baerbock und Robert Habeck, hervorragend gemimt von Kirsten Gerlhof und Birger Hausmann, eingelullt in die schwarz-rot-gold-grüne Flagge. Bravo!

Kabarett Mindener Stichlinge


© Pressebüro Hans-Jürgen Amtage | Minden – 2020

Der Weihnachtsbaumschmuckausstattungsexperte

Der Baseler Johann Wanner ist seit den 1960er-Jahren in Sachen Weihnachtsbaumschmuck tätig und gilt international als Trendsetter. Fotos: Hans-Jürgen Amtage

Der Baseler Johann Wanner ist seit den 1960er-Jahren in Sachen Weihnachtsbaumschmuck tätig und gilt international als Trendsetter. Fotos: Hans-Jürgen Amtage

Basel (hjA). Der Weihnachtsmann des 21. Jahrhunderts ist glattrasiert, trägt eine Glatze, gerne edle schwarze Anzüge und rahmengenähte Schuhe von der britischen Insel. „Weihnachtsbaumschmuckausstattungsgeschaeft“ steht in großen Lettern über dem Schaufenster seiner Residenz am Spalenberg in Basel, in dem es glitzert und bunt leuchtet. Sein Name: Johann Wanner.

Er ist ein freundlicher Herr, dieser „Weihnachtsmann“ aus der Schweiz, der in Amerika „Father Christmas“ und in Frankreich „Chanel de la boule“, Modeschöpfer für (Weihnachts-)Kugeln, genannt wird. Ein wenig schelmisch sitzt Johann Wanner in seinem Weihnachtscafé unweit seines Hauptgeschäftes, in dem sich die Kunden bei einer leckeren Tasse heißer Schokolade ebenso dicht drängen wie die Tausenden Artikel rund um den Weihnachtsbaum.

Johann Wanner: Trendsetter im glitzernden Weihnachtsgeschäft
Das "Weihnachtsbaumschmuckausstattungsgeschaeft" lockt das ganze Jahr über tausende Kunden nach Basel.

Das „Weihnachtsbaumschmuckausstattungsgeschaeft“ lockt das ganze Jahr über tausende Kunden nach Basel.

Wie er dort sitzt und erzählt, der 1939 Geborene, wirkt er geradezu bescheiden. Dass er einen Rolls-Royce sein Eigen nennt, seine Gästewohnung – eine Art Schauraum – eine Etage tiefer mit altem edlen Mobiliar bestückt ist und nahezu einem Museum gleicht, scheinen Nebensächlichkeiten. Denn bei ihm dreht sich zu allererst einmal alles um das Thema Weihnachtsschmuck in allen Formen und Farben. Johann Wanner gilt international als „der“ Trendsetter in diesem glitzernden Geschäft.

Seine Kreationen sind in der ganzen Welt gefragt. Das Weiße Haus in Washington zählt ebenso zu seiner Kundschaft wie der Vatikan. Die Queen greift gerne auf die mehr als fünf Jahrzehnte Weihnachtsbaumschmuck-Erfahrung des Schweizers zurück. Und wenn es die Grimaldis in Monaco zur Weihnachtszeit so richtig schön haben wollen, dann klingelt in Johann Wanners Zweieinhalb-Quadratmeter-Büro am Spalenberg, das einer übervollen kleinen Abstellkammer gleicht, das Telefon.

Nicht zu vergessen ist der ein oder andere Scheich, dem einfällt, dass er Besucher hat, die Weihnachten zugeneigt sind, und „am liebsten schon gestern“ ein paar edel geschmückte Tannenbäume geliefert bekommen will. Fertig dekoriert – versteht sich.

Und wer an Basels Grandhotel „Les Trois Rois“ vorbeikommt oder dort einzieht, dem stechen sofort die Wannerschen Weihnachtsbäume ins Auge, die sich, je nach Kundenwunsch, geschmackvoll, dezent, kitschig oder schrill darstellen. Dann sind da noch all die Menschen, die zum Wanner strömen. Touristen und Baseler, die bei ihm das ganze Jahr über originellen Weihnachtsschmuck (zu erschwinglichen Preisen) kaufen.

„Es wird auf gesagt, ich sei Millionär. Das könnte sein.“
Das Design der 1960er-Jahre ist fast immer ein Thema.

Das Design der 1960er-Jahre ist fast immer ein Thema.

Rund 500 zahlende Kunden habe er zurzeit täglich, gibt sich der Händler zurückhaltend, wenn er nach seinen Umsatzzahlen gefragt wird. Die Schätzungen in der Öffentlichkeit hätten schon vor eineinhalb Jahrzehnten zwischen 1,5 und 30 Millionen Franken (972 000 und 19,4 Millionen Euro) gelegen, sagt er dann und schiebt lachend nach: „Es wird auch gesagt, ich sei Millionär. Das könnte sogar sein.“

Und wie wird man mit Weihnachtsschmuck Millionär? Johann Wanner begann damit Mitte der 1960er-Jahre, nachdem er sich als 22-Jähriger erst in den Orient aufgemacht hatte und dann nach Basel zurückgekehrt war. Er widmete sich zunächst dem Antiquitätenhandel, darunter auch altem Weihnachts schmuck. Der gefiel den Kunden besonders. So begann er Weihnachtsschmuck aus alten Originalformen herstellen zu lassen.

Der erste Weihnachtsbaumschmuck kam aus der DDR
Ein edel geschmückter Baum aus dem Hause Wanner begrüßt die Gäste des Baseler Grandhotels „Les Trois Rois“.

Ein edel geschmückter Baum aus dem Hause Wanner begrüßt die Gäste des Baseler Grandhotels „Les Trois Rois“.

Er reiste in die damalige DDR nach Thüringen, wo viele Glasbläserfamilien tätig waren, und überzeugte das Regime, dass sich Geschäfte mit ihm lohnen. Für rund 500.000 DDR-Mark jährlich ließ er dort Baumschmuck fertigen. Noch heute arbeitet Johann Wanner mit diesen Werkstätten zusammen, hinzugekommen sind Betriebe in Polen und Tschechien.

Inzwischen sind Trendscouts für sein Unternehmen, das 15 Mitarbeiter zählt – darunter seine Frau -, unterwegs, um dem Kundengeschmack nachzuspüren. Zurzeit sind Motive aus den 1960er-Jahren „in“. Rot mit weißen Punkten zum Beispiel. So beobachtet der „Weihnächtler“ erfreut, wie die Kunden nach den Kugeln greifen und sich in dem glitzernden Rund spiegeln. „Weihnachtsschmuck ist ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt er dann und schwärmt: „Die Kugel ist das Sinnbild für Vollkommenheit.“

 

© Hans-Jürgen Amtage | Minden
Dieser Text erschien ursprünglich im Dezember 2008 im Mindener Tageblatt

Der Weihnachtsbaumschmuckausstattungsexperte | Seite vom 24. Dezember 2008 aus dem Mindener Tageblatt